TestDisk – gelöschte oder verlorene Daten wiederherstellen

Testdisklogo_clear_100Es gibt sicher viele Programme, mit denen man versehentlich gelöschte oder durch einen Defekt Verlust gegangene Daten rekonstruieren kann. Einige davon kostenpflichtig, andere kostenlos. Ich stieß – mal wieder auf der Suche nach einer Lösung zu einem Problem – auf TestDisk. Um genau zu sein, suchte ich nicht nach einer Software, mit der ich gelöschte Daten wieder herstellen kann, sondern ich hatte mit einem USB Stick zu kämpfen, der von heute auf morgen ohne äußere Einwirkung nicht mehr erkannt wurde. Weder am PC noch an meinem Smartphone. Da sich nun aber Daten darauf befanden, die ich gerne retten wollte, machte ich mich auf die Suche nach einer Lösung. Es fing damit an, dass ich meinen Stick am Smartphone anschloss, um einige GB Fotos und Videos darauf zu übertragen. Der Stick wurde als beschädigt ausgegeben. Am Rechner das Selbe. Nach kurzer Überlegung warf ich kurzerhand einen Blick in Datenträgerverwaltung unter Windows. Dort wurde mir der Stick erstaunlicherweise als fehlerfrei, aktiv und als primäre Partition angezeigt. Mögliche Optionen? Formatierung. Diese gedachte ich allerdings vorerst zu vermeiden. Mir fiel dann die Bezeichnung des Dateisystems ins Auge. An sich hätte der Stick – damit er am Smartphone per USB OTG genutzt werden kann – als FAT32 formatiert angegeben sein müssen.

Hier stand nun RAW. Da Windows den Stick auch als defekt meldete, öffnete ich mit einem Klick auf die entsprechende Meldung die Ereignisanzeige und konnte sehen, dass der Stick dort als nicht migriert angezeigt wurde. Für den Stick fand ich dann auch vergangene Ereignisse mit der selben ID (441). Ja, in der Vergangenheit hatte ich bereits einmal Probleme mit dem Stick gehabt, was sich allerdings nach der FAT32 Formatierung erledigt zu haben schien. Dank der Angaben in der Ereignisanzeige hatte ich nun jedoch eine Grundlage, Google zu bemühen. Aus dem Ereignisprotokoll also die MigriationRank und Status Angabe gegoogelt und einige Minuten später nach dem Studium diverser ähnlicher Fälle auf TestDisk aufmerksam geworden.

Unterstützte Betriebssysteme

Die Software ist kostenlos unter der GPLv2+ Lizenz zu haben. Die Palette der unterstützten Systeme ist recht erstaunlich! So wird tatsächlich noch DOS/Win9x unterstützt. Neben aktuellen Windows Versionen in 64 Bit Variante werden noch Linux ab Kernel 2.6.18 oder später für i386, sowie x86_64, Mac OS und sogar Marvell Chip Strukturen ab Linux Kernel 2.6.32 in Synology Diskstations (DS111, DS211, DS212+) und QNAP ARM basierende (TS-410) Systeme unterstützt. Die in Klammern genannten Geräte werden explizit auf der Seite erwähnt.

Funktionsumfang

  • Die Partitionstabelle reparieren, gelöschte Partitionen wiederherstellen
  • Einen FAT32-Bootsektor von seinem Backup wiederherstellen
  • Einen FAT12/FAT16/FAT32-Bootsektor wieder aufbauen (Rebuild)
  • Bei FAT die Dateizuordnungstabelle reparieren
  • Einen NTFS-Bootsektor wieder aufbauen (Rebuild)
  • Einen NTFS-Bootsektor von sein Backup wiederherstellen
  • Bei NTFS die MFT (MasterFileTable = Hauptdateitabelle) unter Verwendung des Spiegels (MFT mirror) wiederherstellen
  • Einen ext2/ext3/ext4 Backup SuperBlock lokalisieren
  • Gelöschte Dateien vom Fat, NTFS und ext2-Dateisystem wiederherstellen
  • Dateien von gelöschten FAT, NTFS und ext2/ext3/ext4-Partitionen kopieren.

Mit TestDisk können neben Festplatten mit derlei Problemen wohl auch USB Sticks entsprechend bearbeitet werden. Klingt also nach einem ziemlich mächtigen Werkzeug, wenn ihr mich fragt. Nach dem Download der Windowsversion nur die zip-Datei entpacken und testdisk_win.exe (als Admin) starten. Navigiert wird mittels Pfeiltasten, Enter, q und einigen anderen Tasten, die beim jeweiligen Schritt unten gelistet sind, sofern verwendbar.

Ablauf

Als erstes wird man gebeten, die Art des Logs zu wählen. Neues Log, an altes Log anhängen oder gar kein Log erstellen. Es wird empfohlen, jeweils ein neues Log anlegen zu lassen.

Hiernach listet TestDisk sämtliche Speichergeräte und Partitionen auf. Man suche sich das gewünschte Ziel und bestätige mittels Enter. Zur sicheren Identifizierung kann ggf. auf die Datenträgerverwaltung zurück gegriffen werden. TestDisk zeigte mir nämlich im Gegensatz zur windowseigenen Verwaltung einen Laufwerksbuchstaben an.

TestDisk sollte nun den korrekten Partitionstabellentypen automatisch erkennen und auswählen. In diesem Fall None, da RAW bei meinem USB Stick bedeutet, dass er faktisch nicht formatiert ist.

Der Einfachheit halber wird nun eine Analyse des Datenträgers empfohlen. Diese soll gelöschte und/oder defekte Partitionen zutage fördern. Die Analyse spuckte einige gelöschte Dateien und ein paar Verzeichnisse aus, die ich wünschenswerter Weise gerne retten wollte. Entsprechende Ordner fix markiert und in das Stammverzeichnis von TestDisk kopiert. Daten gerettet. Primärziel erreicht. Die Reparatur des Sticks gelang mir mit TestDisk anschließend ebenfalls. Da sich dieser Fall bereits vor geraumer Zeit ereignet hatte, kann ich nicht mehr genau sagen, welche Reparaturoptionen ich auf den Stick angewendet habe. Jedenfalls nutze ich ihn seit dem ohne Probleme.

Was mir nur generell bei FAT32 formatierten Sticks aufgefallen ist: Bei diesen kommt es bei mir bei verschiedenen Sticks häufiger am Windows-PC zu der Meldung, dass bei dem Datenträger ein Fehler vorläge. Das passiert meist dann, wenn ich diese entweder im Auto am Werks-Radio oder am Androiden via USB OTG angeschlossen hatte. Bis auf diese Meldung – die entweder ignoriert werden können, oder sich mit den Windowsbordmitteln der Datenträgerreparatur auch zeitweise beheben lassen – waren die Sticks immer ohne sonstige Probleme nutzbar. Meine Vermutung geht daher in die Richtung, dass es hier zu Kompatibilitätsproblemen bei FAT32 formatierten Sticks kommt und das Problem in dem Dateiformat zu suchen sein könnte. Aus Zeitgründen bin ich dem nur nie weiter nachgegangen.

Download und Bildquelle: https://www.cgsecurity.org/

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