Android – Sunrise Calendar im Test

Weil beim Caschy kürzlich mal wieder die Rede vom Sunrise Calender für Android die Rede war, habe ich mir die App noch mal angesehen. Mein erster Kontakt damit war noch zu Zeiten des alten Google Kalenders, der damals alle meine geringen Anforderungen bestens erfüllt hat. Und leider war der erste Kontakt auch nicht wirklich erhellend, trotz des Namens. Das hatte damals mehrere Gründe, aber vor allem, dass er nicht so ganz in mein Nutzungsverhalten mit einem Kalender passte. Oder ich halt zu unflexibel dafür war. Kann man sehen wie man möchte. Dann hatte ja Microsoft irgendwann das Ding übernommen und so habe ich mir die App kürzlich noch mal installiert. Nicht, weil jetzt Microsoft drauf steht, sondern weil ich dachte, dass ein zweiter Blick nicht schaden kann. Zu 100% zufrieden bin ich mit dem Google Kalender unter Android auch nicht mehr.

Welche Anforderungen habe ich denn überhaupt an meine Kalender-App? Die sind ja sicher von Nutzer zu Nutzer unterschiedlich. Ich persönlich brauche eine gute klar strukturierte Wochenübersicht, mit Wochennummern, lesbaren Terminen auch bei längerem Terminnamen, erkennbare Dauer an der optischen Aufmachung, einen einfachen Wechsel zu anderen Monaten, Wochen, Jahren etc. Ansonsten bevorzuge ich möglichst flexible Einstellungsoptionen bei der Erstellung eines Termins. Ich bin dazu übergegangen, mir bei Terminen nicht bloß einen Knoten ins Taschentuch zu machen, sondern vorhandene Funktionen auch produktiv zu nutzen. So wähle ich auch bei bekannten Standorten bei Terminerstellung immer den Ort aus. Sind es regelmäßige Termine, ist mir auch wichtig, ob ich diese Regelmäßigkeit frei festlegen kann. Also jeden ersten Donnerstag im Monat, nur jede zweite Woche etc. Ich trage einfach alles ein, was ich mir sonst merken müsste. Damit ich es mir eben nicht mehr merken muss. Dafür sind Kalender ja auch da. Also wann, von bis, Ort, Teilnehmer, ggf. Notizen, an was noch zu denken ist etc. (Bin übrigens deshalb auch dazu übergegangen, meine Kontakte im Adressbuch ziemlich penibel zu pflegen. Macht sich da dann bezahlt.) Und wenn Frau mir sagt, dass wir von Hinz am drölfzehnten in Buxtehude hinterm Deich zum Grillen eingeladen sind, wird das notiert. Egal ob sie sich das mit ihrem Elefantengehirn sowieso merkt und ich es mir zufällig auch mal länger als drei Tage merken kann oder auch nur drei Minuten. Und deshalb brauche ich eine klare Wochenübersicht. Ich plane selten länger, außer bei Events, die eben erst später statt finden. Urlaub in vier Monaten oder so. Wird natürlich auch eingetragen. Nur damit ich weiß: Ah, da war doch was! Ja, das sind in etwa meine Anforderungen. Komme ich also mal zur Tauglichkeitsprüfung des Sunrise Calendar.

Beim Starten der App offenbart sich eine Terminübersicht, ähnlich dem Google Kalender. Meiner Ansicht nach allerdings etwas übersichtlicher. Wirkt einfach aufgeräumter. Im oberen Teil findet man zwei Wochen mit dem jeweiligen Tagesdatum abgebildet. Eine Berührung lässt einen zum jeweiligen Tag springen. Auch wandert das Datum mit, scrollt man in der Terminübersicht. Darunter die entsprechenden Termine mit Startzeit und Dauer links, Farbmarkierung, Terminname sowie Ortsangaben rechts. Spricht mich auf Anhieb mehr an, als selbige Übersicht im Google Kalender.
Weiterhin gibt es eine Drei-Tages-Ansicht. Offenbar leider keine Wochenübersicht, auf die ich wert lege. Auch nicht im Querformat. Das gibt es nämlich offenbar auf dem Smartphone nicht.
Zwischen den beiden Ansichten kann per Icon in der Menüleiste wechseln. Noch einfacher wechselt man mit einem Wisch nach rechts oder links. Zum Glück, da sich offenbar nicht vom Benutzer festlegen lassen kann, mit welcher Ansicht der Sunrise starten soll. Die Drei-Tages-Ansicht unterscheidet sich praktisch nicht vom Google Kalender. Lediglich die Pastellfarben der Termine wirken zu hell. Hier könnte etwas mehr Kontrast nicht schaden. Zum aktuellen Tag gelangt man über einen roten Kreis mit einem Pfeil darin in der unteren linken Ecke. Der Pfeil wandert einem Kompass gleich immer auf den aktuellen Tag zeigend. Gibt optisch einen Hinweis darauf, wie weit man vom aktuellen Datum weg liegt.
Möchte man nun einen Termin erstellen, hilft ein langer Druck an die entsprechende Stelle. Anschließend können die üblichen Angaben gemacht werden: Name, Beginn und Ende mit Datum, Tag und Uhrzeit, Ganztagstermin, Ort inkl. Zeitzone, Teilnehmer, in welchem Kalender der Termin erscheinen soll, Erinnerung, Beschreibung und Wiederholungsfunktion. Die Teilnehmer werden aus den Kontakten vorgeschlagen, sofern man Sunrise nicht die Zugriffsrechte darauf entzieht. Schon mal praktisch. Unpraktisch hingegen, dass der Ort manuell eingetippt werden muss, wenn er genau sein soll und man gedenkt, den Weg später per Handynavigation zurück zu legen. Leider wird hier nicht per Namenseingabe des Freundes oder Firma auf die in den Kontakten hinterlegte Adresse zurückgegriffen. Soll es also genau sein, muss man hier selbst umständlich mit Postleitzahl und Straßennamen hantieren. Kann man vielleicht noch verschmerzen, wenn man es da nicht so genau nimmt und den Weg eh kennt. Für mich ein Negativpunkt.
Weiterhin negativ finde ich die fixe Auswahl bei der Erinnerung. Einen Benutzerdefinierten Zeitraum kann man nicht festlegen. Es stehen lediglich fixe Angaben zur Verfügung. Schade. Ich persönlich gebe Vorbereitung, Anfahrt etc. in 30 Minutenschritten geschätzt mit ein. Nervt mich einfach, wenn ich da eine halbe Stunde mehr Zeit eingeben muss, als ich brauche, da ich eh immer schon einen Puffer mit einplane, den ich dann nicht mit angeben kann. Ansonsten alles wie es sein soll, um sich Termine und Erinnerungen zu speichern.

Wo der Sunrise Calendar richtig auftrumpfen kann: Man kann zahlreiche Kalender abonnieren. Das fängt bei den Wochennummern an, geht über die Ferientermine sämtlicher Bundesländer, Spieltermine der Bundesliga bis hin zu Terminen aus diversen TV Sendern. Da ist echt was für jeden dabei. Wird alles automatisch eingepflegt. Die Sichtbarkeit, sowie Benachrichtungen der abonnierten Kalender in Sunrise lässt sich übrigens unabhängig vom Abo festlegen. Schon mal nicht übel. Auch nicht übel ist die Integration diverser Dienste und sozialer Netzwerke. Evernot, Google Kalender, Facebook, Twitter. Erstere übernimmt Erinnerung für To Do’s aus Evernote, zweiteres Einträge aus eurem Google Kalender (die ihr vielleicht auch per Mail bekommt), Facebook die Geburtstage eurer FB-Kontakte und über Twitter könnt ihr den jeweils letzten Tweet von Teilnehmern eines Termins sehen. Laut Beschreibung soll das so oder so ähnlich funktionieren. Habe ich bisher nicht testen können, da einfach zu wenige Menschen in meinem Umfeld Twitter nutzen. Außerdem scheint das mit den Accounts auch so eine Sache für sich. Möchte man nach Verbinden diverser Accounts einfach in den Einstellungen mal schauen, welche Optionen man für die jeweiligen Accounts hat, stellt man fest, dass diese nur wieder von Sunrise entkoppelt werden können. Per Zurücktaste scheint das automatisch zu passieren. Erneutes Verbinden ist dann nicht sofort möglich. Aus mir unbekannten Gründen muss man einen scheinbar willkürlichen Zeitraum abwarten. Auch eine Trennung und komplett neue Einrichtung schlägt fehl. Ist bei mir nur bei Twitter aufgetreten. Angesichts der hohen Relevanz, den letzten Tweet eines Terminteilnehmers dann ggf. zu verpassen, eine vernachlässigbare Problematik.
Neben Twitter, Facebook und Co stehen auch Wunderlist, (seit kurzem auch im Repertoire von Microsoft), iCloud, Exchange, Trello, Foursquare, LinkedIn, Todoist, Github und eine Reihe anderer Dienste, deren Namen ich bisher noch nicht einmal gehört habe, zur Auswahl. Deren genauen Nutzen werde ich natürlich jetzt nicht noch aufzählen. Müsste sich alles auf sunrise.am nachlesen lassen.

Bevor ich nun zum Fazit komme, hat sich noch eine Kleinigkeit herausgestellt. In den Notifications werden Erinnerungen von Terminen mit Ortsangabe zwar die Adresse mit angezeigt, sie kann aber nicht wie bei Googles Kalender direkt zur Navigation genutzt werden. Dazu muss man erst den Termin öffnen. Schade.

Also nun das Fazit. Kann mich der Sunrise Calendar zum heutigen Zeitpunkt überzeugen?
Nein, leider nicht ganz. Schuld daran ist nicht einmal die fehlende Wochenübersicht, sondern tatsächlich eher die Kleinigkeiten, die ich ansprach. Ich kann meine bevorzugte Terminansicht beim Start der App nicht festlegen, muss jedes mal manuell wechseln. Ich kann die Spanne der Erinnerung vor dem eigentlichen Termin nicht nach Bedarf festlegen. Ich kann den Ort nicht über die Adresse meines Kontaktes aus meinen Kontakten wählen. Klar, Firstworldproblem aber Funktionen wie diese machen ein Smartphone doch eben erst smart. Wenn das dann eine App nicht unterstützt, kann es eben sein, dass ich sie deshalb auch nicht nutze. Wenn diese Features noch nachgereicht werden würden, inkl. einer Wochenübersicht, wäre ein Wechsel wohl kein Thema. So bleibe ich vorerst beim Google Kalender.

Wer sich den Sunrise Calendar gerne selbst näher ansehen möchte, kann ihn sich hier installieren.

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