Mechanischen Schreibschutz einer SD Karte umgehen

(Erstveröffentlichung am 13. Januar 2011 auf meinem Blog „die schizophrenie des alltags“ unter meinem Synonym Donjermas, hier in überarbeiteter Fassung.)
Grafik by Plizzo/Jonathan Lundström

Grafik by Plizzo/Jonathan Lundström

Simpel. Einfach nur simpel.

Ich erkläre es trotzdem, denn ich bin auch nicht von selbst darauf gekommen.
Mehrere alte SD Karten fristen mehr oder weniger nicht in Gebrauch ihr Dasein in Schreibtischnähe. Eine davon – eine 1 GB Sandisc Karte – hat vor geraumer Zeit das kleine Hebelchen zum Aktivieren des mechanischen Schreibschutzes verloren. Und das offenbar zuletzt in der Position „lock“. Also bei aktiviertem mechanischem Schreibschutz. Ärgerlich, da sie ansonsten noch voll funktionstüchtig ist. Es befinden sich sogar noch alte Fotos darauf, die ich mir zwar bereits damals schon herunterkopierte, deren Vorhandensein mich aber davon abhielt, die SD Karte einfach in den Müll zu werfen. Schließlich hätte jeder andere die Fotos ebenfalls noch herunterkopieren können. Komplett zerstören wollte ich die Karte auch nicht, da sie ja an sich noch funktionstüchtig war. Damals bin ich irgendwie noch nicht auf die Idee gekommen, zu googlen, wie man den mechanischen Schreibschutz einer SD Karte umgehen könnte.
Heute tat ich das mal endlich. Und siehe da, ich wurde fündig. Wo wir auch wieder bei dem Simpel vom Anfang wären.
Der mechanische Schreibschutz einer SD Karte verhält sich identisch wie der Mechanismus, mit dem man früher noch seine selbstbespielten Audiokassetten mit Songs aus dem Radio vor versehentlichem Überspielen geschützt hat. Wer diese Dinger nicht mehr kennt: Magnetbänder, beidseitig mit sogenannten Kassettenrekordern entweder per eingebauten Micro oder integrierter Aufnahmefunktion des Radioprogramms bespielbar. Wie heutzutage CD/DVD/Bluray-Rohlinge waren damals Leerkassetten recht verbreitet. Diese hatten einen mechanischen Schreibschutz, dessen Aktivierung erforderlich machte, dass man in der oberen Seite – für gewöhnlich links und rechts außen – ein kleines  rechteckiges Kunststoffplättchen vorfand, welches eine Öffnung verdeckte. Mit einem flachen Schraubenzieher, oder ähnlichem Gegenstand, konnte man dieses Stückchen Kunststoff herausbrechen und somit den Schreibschutz aktiveren. Der Schreibschutz war also produktionsbedingt von vornherein deaktivert. Hier ein Beispiel eines deaktiverten Schreibschutzes einer Musikkassette:
deaktiverter Schreibschutz einer Musikkassette
deaktiverter schreibschutz einer musikkassette
Bei SD Karten verhält es sich mechanisch identisch. Der kleine Schieberegler, der in „lock„-Position den Schreibschutz aktiviert, verhindert, dass die Daten auf der Karte ausversehen überschrieben werden. Und zwar nicht durch sein Vorhandensein in der position „lock„, sondern durch sein Fehlen in der nicht gelockten Position. Wie aber erkannte damals eine Musikkassette, ob ihr Schreibschutz nun aktiviert war, oder nicht? Und wie erkennt eine SD Karte diesen Zustand? Bei der SD Karte vermutete ich einfach, dass mit dem Schieberegler ein Kontakt unterbrochen wurde, der dann verhinderte, dass Daten auf die Karte geschrieben werden können. Da der Schreibschutz nun genau anders herum funktioniert – was ich zu dem Zeitpunkt noch nicht realisiert hatte – ging ich davon aus, dass der Schieberegler abgebrochen und – Teil dessen – den Schreibschutz aktiv hielt. Nachdem ich mich dann dazu entschieden hatte, die SD Karte vorsichtig mit einer Nagelfeile aufzuhebeln, kam ich der Lösung näher. Eins vorweg: Die Karte ist zusammengeklebt. Sie lässt sich anschließend nicht einfach wieder zusammenstecken. Da der Hebel fehlte, konnte ich nicht erkennen, wie der Schreibschutz funktioniert. Ich öffnete also eine – woher auch immer stammende – 32 mb SD Karte, bei welcher der Schreibschutzhebel noch vorhanden war. Aber auch dort bot sich mir ein Anblick, der nicht erkennen ließ, wie genau der mechanische Schreibschutz arbeitete.
Ich wills mal so sagen: Der Effekt stellt sich nicht im Medium selbst ein, sondern findet am Lesegerät statt. Im Lesegerät ist einfach ein mechanischer Taster, der bei Fehlen des Sicherungshebels dem Lese-/Schreibgerät einfach nur suggeriert, dass ein Beschreiben nicht möglich sei. Da ich neben der vermeintlich defekten SD Karte auch ein defektes und aufgeschraubtes USB-Kartenlesegerät hier herumliegen hatte, prüfte ich dies direkt nach. Und siehe da, es bestätigte sich. Hier die entsprechenden Fotos:
geöffnete SD Karte mit Sicherungshebelchen
geöffnete sd-karte
Wenn man genauer hinschaut, kann man sehen, dass auf der Platine kein Kontakt unterbrochen werden würde, egal in welcher Position sich der kleine graue Schieberegler befindet.
der Taster meldet in diesem Zustand: Schreibschutz deaktiviert
taster usb-kartenlesegerät
Hier sieht man den Taster. Er verschwindet nicht im Blechrahmen des SD Kartenslots. Der Schreibschutz ist also nicht aktiviert.
der Taster tastet ins Leere und suggeriert: Schreibschutz aktiviert
schreibschutz aktiv
Um den mechanischen Schreibschutz zu umgehen, ist es – ebenso wie früher bei den guten alten Musikkassetten – einfach nur erforderlich, die entsprechende Stelle mit einem Streifen Klebeband zu überkleben. Ich habe hier im Foto die SD Karte umklebt, weil ich sie aufgehebelt hatte und den Schreibschutzhebel nicht verlieren wollte. Damit halte ich die Karte also zum einen einfach nur zusammen und fixiere auf der anderen Seite den Schreibschutz. Anstelle der SD Karte mit fehlendem Schreibschutzhebel einzustecken, habe ich die Karte einfach oben drauf gelegt, um erkennbar zu machen, an welcher Stelle der Taster und der Schreibschutzhebel sitzen.

3 Antworten zu “Mechanischen Schreibschutz einer SD Karte umgehen

  1. Sehr interessant – aber gibt es SD-Karten zu kaufen, die serienmäßig überhaupt keinen Schreibschutz vorgesehen haben? Das wäre mir an sich lieber als eine solche Bastelei.

    • Sind mir noch nicht unter gekommen. Auf der anderen Seite war das bisher die einzige SD-Karte bei der mir das passiert ist.
      Ansonsten schau mal, ob die SD-Kartenadapter für Micro SD-Karten einen solchen Schreibschutz haben. Wenn nein, könntest du dir so behelfen.

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